In der Nähe des berühmten Akropolis-Felsens liegt eine Erhebung mit großer Vergangenheit. Dort, auf dem Areopag, versammelten sich einst die Griechen zu Gerichtsverhandlungen. Dieser Ort ist nicht nur bei Touristen, sondern auch bei religiösen Besuchern beliebt, da der Apostel Paulus an dieser Stätte seine berühmte Rede über einen unbekannten Gott hielt. Der Name des Hügels ist zudem eine Hommage an die Kriegsgötter Ares und Mars aus griechischer und römischer Mythologie.
Es gibt eine Sage, der zufolge der Areopag seinen Namen von dem Kriegsgott Ares ableitet — den die Römer Mars nannten. Auf diesem Hügel fand einst seine Gerichtsverhandlung statt, bei der er freigesprochen wurde. Der Überlieferung nach hat Ares aus Rache für die Vergewaltigung seiner Tochter Alkippe durch Poseidons Sohn, Alirrothios, diesen getötet. Poseidon beschuldigte daraufhin Ares eines schrecklichen Verbrechens vor den olympischen Göttern. Der Prozess fand genau dort statt, wo der Mord geschah. Der Ort des Geschehens bekam später den Namen Areopag.
Es existiert eine Sage, die besagt, dass Orest auf diesem Hügel für das Töten seiner Stiefmutter Klytämnestra und deren Geliebten Aigisthos verurteilt wurde. Eine dritte Überlieferung erzählt von den Erinyen, Rachegöttinnen der Unterwelt, die hier Gericht über Mörder hielten. Dies könnte die Existenz eines ihnen gewidmeten Tempels am Fuße des Hügels erklären. In diesem heiligen Ort konnten Mörder Zuflucht vor Verfolgung und Hinrichtung finden.
Vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. galt der Areopag in Athen ähnlich dem römischen Senat als ein Rat der Ältesten. Die Mitgliedschaft war auf ehemalige Amtsträger begrenzt und umfasste nicht mehr als 300 Personen. Durch die Reformen des Ephialtes im Jahr 462 v. Chr. wurden dem Areopag fast alle Befugnisse entzogen, bis auf die Gerichtsbarkeit in Mordfällen. Die legislative Gewalt ging an die Volksversammlung, den Rat der Fünfhundert und die Geschworenengerichte über. Trotz dieser Veränderungen blieb der Areopag in Athen bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. als oberstes Gericht für Mordfälle und Korruptionsangelegenheiten bestehen.
Unter Perikles erlebte der Areopag in Griechenland tiefgreifende Veränderungen, die seine Bedeutung erheblich verringerten. Erst mit dem Ende des Peloponnesischen Krieges im Jahr 404 v. Chr. konnte dieses Gremium seine Stellung wieder festigen, welche es bis in die römische Ära hinein behielt. In dieser Zeit traten auf dem bedeutenden Hügel namhafte Redner und Staatsmänner auf. Besondere Bekanntheit erlangte jedoch die Ansprache des Apostels Paulus, die als Grundstein für die Verbreitung des Christentums in Griechenland gilt. Ihre Bedeutung wird durch eine bronzene Gedenktafel geehrt, die am Fuße des Felsens zu finden ist.
Ein weiterer berühmter Fall, der am Areopag verhandelt wurde, betrifft Sokrates. Der Philosoph wurde zum Tode verurteilt, weil er angeblich die Götter missachtete und die Jugend mit seinen Lehren verführte. Allerdings kam es nie zur Vollstreckung der Strafe, da Sokrates sich selbst mit Gift das Leben nahm.
Der Areopag, auch als Areshügel bekannt, sollte auf keiner Besuchsliste in Athen fehlen. Von seiner Spitze, die sich 115 Meter über dem Meeresspiegel erhebt, bietet sich ein beeindruckender Panoramablick über die Stadt, einschließlich des Akropolis und der Antiken Agora.
Heute ist vom alten Areopag kaum etwas erhalten. Wo einst steinerne Sitzreihen standen, haben Besucherströme fast alles verwischt. Lediglich in den Fels geschlagene Treppen und Grundmauern am Fuß des Hügels zeugen noch von der Vergangenheit.
Beim antiken Gerichtshof des Areopags gab es zwei symbolträchtige Steine — einen für Würde, den anderen für Schamlosigkeit. Der Ankläger trat auf den Stein der Würde, während der Angeklagte sich auf den der Schamlosigkeit stellen musste.
Der Areopag, umgeben von der atemberaubenden Szenerie Athens, liegt zentral zwischen dem Akropolis und dem antiken Marktplatz, der Agora. Ein Spaziergang ist die ideale Art, um die faszinierende Atmosphäre und die geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten Griechenlands hautnah zu erleben. Es wird empfohlen, die Tour an der Agora zu beginnen. Von dort aus führt ein direkter Weg hinauf zum Areopag und weiter zur Akropolis.
Der Areopag, umgeben von einem niedrigen Zaun, verfügt über zwei Eingänge: einer gegenüber dem Markt und der andere in Sichtweite der Akropolis. Sie sind beide Tag und Nacht zugänglich. Vom Zentrum Athens erreicht man den Hügel am schnellsten in ungefähr 10 Minuten. Für Besucher aus anderen Stadtteilen ist die Anreise per U-Bahn (Station Thissio) oder mit den Bussen 025, 026, 027, 035, 227 bis zur Haltestelle Monastiraki eine gute Option. Auch der Trolleybus Nr. 21 fährt dorthin. Fragen Sie den Fahrer nach der Haltestelle Palia Agora, um in die Nähe des Areopags zu kommen.